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Serum bile acid profiles in pediatric gastrointestinal, hepatic and biliary diseases
Serum bile acid profiles in pediatric gastrointestinal, hepatic and biliary diseases

Neue Studie liefert altersabhängige Referenzwerte für Serum-Gallensäuren bei Kindern

Ein internationales Forschungsteam am Universitätsklinikum Erlangen hat in einer großen Auswertung erstmals systematische Referenzwerte für Serum-Gallensäureprofile bei Kindern mit gastrointestinalen, hepatischen und biliären Erkrankungen etabliert. Die Ergebnisse eröffnen neue diagnostische Möglichkeiten — besonders für seltene oder komplexe Leber- und Darm­erkrankungen im Kindesalter.

Warum Gallensäuren untersucht werden

Gallensäuren sind weit mehr als nur Helfer bei der Fettverdauung: Sie wirken auch als Signalmoleküle, steuern Stoffwechselprozesse und beeinflussen das Gleichgewicht der Darmflora. Veränderungen in der Zusammensetzung der Gallensäuren können daher auf Erkrankungen des Darms, der Leber oder der Gallenwege hinweisen — und als sensitive Biomarker dienen.

Bisher fehlten jedoch verlässliche altersabhängige Referenzwerte. Gerade im Kindes- und Jugendalter verändern sich die Gallensäureprofile mit dem Wachstum — was Diagnosen erschwert.

Was wurde gemacht

  • Über den Zeitraum 2014 bis 2024 wurden 1.906 Serum-Proben von 524 Kindern und Jugendlichen ausgewertet.

  • Die Proben stammten aus drei klinischen Gruppen: bei gastro-intestinalen, hepatischen oder biliären Erkrankungen.

  • Für insgesamt 15 Gallensäuren — einschließlich primärer, sekundärer und tertiärer sowie ihrer konjugierten Formen — wurden altersabhängige Normwerte bestimmt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Bei jüngeren Kindern dominierten primäre Gallensäuren. Mit zunehmendem Alter stieg der Anteil sekundärer Gallensäuren — ein bisher kaum dokumentierter, altersabhängiger Trend.

  • Bei Leber- oder Gallenerkrankungen zeigte sich häufig ein deutlich verändertes Verhältnis zwischen primären und sekundären Gallensäuren, eine Abnahme unkonjugierter sowie eine Zunahme glycin-konjugierter Gallensäuren. Diese Profile deuten auf eine gestörte Gallensäureverwertung oder -ausscheidung hin.

  • Auch bei einigen Kindern mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen) waren die BA-Profile auffällig — obwohl Gesamtwerte häufig im Normbereich lagen.

Bedeutung für Klinik und Forschung

Die neu ermittelten Referenzwerte ermöglichen es, Auffälligkeiten in der Gallensäurezusammensetzung bei Kindern und Jugendlichen gezielter einzuschätzen. Damit erhalten Ärzt:innen und Forschende ein differenziertes Werkzeug — jenseits unspezifischer Leberparameter — zur Diagnostik und Verlaufsbeobachtung.

Insbesondere bei seltenen oder komplizierten Krankheitsbildern könnten BA-Profile helfen, Veränderungen früh zu erkennen und Behandlungsansätze besser zu steuern.

Ausblick

Um die klinische Anwendung weiter zu etablieren, sind nun größere Studien mit prospektivem Design nötig — idealerweise mit klaren Behandlungs- und Verlaufsdaten, Kontrolle möglicher Einflussfaktoren (Alter, Ernährung, Medikamente) und Verknüpfung mit klinischen Symptomen.

Das Forschungsteam sieht in den nun veröffentlichten Daten einen wichtigen Meilenstein — und legt damit die Grundlage für zukünftige Diagnostikverfahren, die Kindern und Jugendlichen zugutekommen können.

Link zur Publikation: hier